Living Doll JOHNman im Interview

Im Interview: JOHNman – ein World Champion geht bunt

…Waaas? Was macht der denn da? Ist der noch ganz sauber? …

Nun ja. Manchmal ist er etwas bunt, manchmal eher weniger. Aber lies doch am besten mal die ganze Geschichte.


Bildquelle: www.Johnman.de

Schon kurz nach unserem Einzug im SenjoLoft hatten wir Besuch von John, dem Living Doll JOHNman. Er hatte etwas Zeit mitgebracht und so konnten wir uns nach einigen Jahren mal wieder in Ruhe zu einem Plausch setzen und so einige Geschichten aus seinem bewegten Leben genießen.


Bildquelle: SenjoColor

Sag mal John, was ist ein Living Doll genau und wie lange machst du das eigentlich schon?

Im Grunde ist ein Living Doll eine lebendige Puppe. Das Besondere an einem Living Doll liegt aber immer in dem, was er selbst daraus macht. Ich bin jetzt seit 1992 professionell unterwegs und habe mich 1994 dann damit selbständig gemacht. Seit dem lebe ich ausschließlich von dieser Kunst.

Gab es Idole, die dich inspiriert haben?

Es gab in Berlin eine Künstlergruppe die mich in die richtige Richtung geschubst hat.

Zu tiefsten DDR Zeiten, so 86-87, habe ich eine Theatertruppe gesehen, die nannten sich „Salto Vitale“ und waren etwas, was ich vorher nie gesehen hatte und nicht begreifen konnte. „Darf man das hier bei uns in DDR? Gibt es da vielleicht einen anderen Weg als der Staat ihn mir vorgibt?“ Das war ein Wendepunkt in meinen Gedanken und in meiner ganzen Geschichte.

Wie wird man denn Living Doll? Kann man das irgendwo lernen?

Es gibt keine richtige Schule dafür. Klar werden heute Grundlagen auf der Schauspielschule vermittelt. Aber nicht umfassend und erschöpfend für einen Berufsstart.

Ich selbst bin der klassische Autodidakt. Als ich damit angefangen habe, gab es diese Kunstrichtung in Deutschland noch gar nicht. Der Ursprung liegt, nach meinem Wissen, in Amerika.

„Was ist Living Doll? – Schaufensterpuppe?“ – habe ich mich damals gefragt. Dann habe ich angefangen, ohne selbst genau zu wissen was es überhaupt ist.  Heute kann ich mit Stolz sagen, dass ich bin einer von denen bin, die diese Kunst seit damals etabliert haben.

Und wie sieht es heute aus mit deiner Kunst? Was hat sich verändert?

Ich selbst bin natürlich reifer geworden und habe meine Figuren immer weiter entwickelt. Die Veranstaltungsagenturen kennen heute den Begriff Living Doll ganz genau. Ein Living Doll ist mobil und beweglich, die Living Statue  – steht meist still. Das ist der Unterschied zur Pantomime.

Was ist der Unterschied zwischen Dir und den Living Statues von der Straße, wie man sie in einigen großen Städten oft sieht?

Mit fallen da vor Allem die Qualitätsunterschiede auf. Oft sind es Einsteiger in diese Kunst, oder sie suchen einfach irgendeine Möglichkeit zum Geld verdienen ohne einen künstlerischen Anspruch dabei haben.

Was unsere Leser besonders interessieren wird, ist die Frage: Wie bist du dann zum Bodypainting gekommen?

Schminken ist für Lebende Puppen und Statuen ein Standardprogramm. So ist es also ganz normal, dass man die Gestaltung der Haut in seine Figuren mit einbezieht.
Bei einem mehrtägigen Event in Berlin bin ich dann um die Jahrtausendwende auf die Bodypainting Crew Berlin gestoßen und habe Bodypainter Enrico Lein kennengelernt. Die Chemie hat auf Anhieb gestimmt und wir haben die ersten gemeinsamen Figuren entwickelt.

Ich erinnere mich noch sehr gut und gerne an Robot, Holzpuppe “Woody“, Steinstatue, Living Pictures… Die Liste ist lang und ich spiele viele noch heute.

Die gekonnte Symbiose aus zwei Kunstrichtungen hat für unendlich viele Ideen und Projekte gesorgt.

Bodypainting-mit Enrico Lein und Johnman
Bildquelle Robot: www.Johnman.de

Living Doll Johnman als Stein-Statue
Bildquelle Statue: www.Johnman.de

Deine Figuren und Dein Equipment sind teilweise sehr aufwendig ausgearbeitet.  Es klingt nach enormem Aufwand: selbst Deko und Kostüme basteln, Management, Konzepte entwickeln – schaffst du alleine?

Ich wäre der glücklichste Mensch, wenn ich Hilfe hätte für Büro und Management. Um mehr Zeit für die Kunst zu haben.

Ich habe mich aber nie aktiv verkauft.  Die Kunst hat sich entwickelt und die Nachfrage ist ständig gewachsen. Einen guten Job gemacht zu haben, ist die beste Werbung, die es gibt.

Etwa 2009 habe ich bemerkt, dass ich mich nicht mehr entsprechend der Nachfrage „verbiegen“ möchte. Ich wollte nicht mehr die Figuren spielen, die der Kunde mir vorgab. So sagte ich mir „baue DEINE eigenen Figuren und verkaufe nur diese“.

Mit 2010 habe ich den ersten Weltmeistertitel gewonnen mit meiner Figur „Candyman“, die ich selbst geschaffen und für die ich ganze Geschichten geschrieben habe.

Living doll johnman candyman
Bildquelle Candyman: www.Johnman.de

Woody living doll johnman
Bildquelle Woody: www.Johnman.de

Du hast also internationale Preise gewonnen, welche sind das?

Hauptsächlich sind es zwei Titel, auf die ich stolz bin. Zweimal wurde ich Weltmeister.  2010 und 2013. Das hat weltweit noch keine Living Doll zuvor geschafft und macht mich sehr glücklich.

In China habe ich den World Award bekommen.

Wo finden die Weltmeisterschaften der Livin Dolls und Statuen statt?

Die Weltmeisterschaft der lebenden Statuen findet jedes Jahr im holländischen Arnheim statt.

Zu diesem Event kommen etwa 300 000 Besucher und enorm viele Künstler aus aller Welt. Für Deutschland ist das unvorstellbar, weil es hier immer noch eine Nischenkunst ist.

Es gibt noch einige Festivals die Preise vergeben und es gibt Andere, die nur unterhalten. Ich mache beides gerne.

In Asien flippen die Leute förmlich aus. Ich bin in China mittlerweile bekannter als in Deutschland.

Blanko Act Living Doll Johnman in Asien

Es gibt noch keine Festivals dieser Art in Deutschland?

Es gibt kein reines Living Doll, oder Statuenfestival im Vergleich zu Belgien, Holland, Riga, Mazedonien, Polen.

In Deutschland sind das eher Streetperformerfestivals, die viele Kunstrichtungen unterbringen.

Also Ist es für JOHNman wichtig international arbeiten!?

Der Markt außerhalb Deutschlands ist einfach riesig. Da bekommst du auch von den Zuschauern mehr Feedback.

Mit meinem Blanko Act z.B. konnte ich in Dubai verschleierte Frauen erleben, die mich bemalten und enorm Spaß dabei hatten. Das ist doch geil!!

Wenn, gefühlt,  eine ganze Stadt gemeinsam an einem Projekt arbeitet – das ist das geilste!

Den Leuten die Aktion überlassen. Ich bin dann nur noch die Leinwand in dieser Show.

Ich sitze, ganz in weiß, vor dem Publikum. Umgeben von meinen Farben und Pinseln. Sonst nichts.

Der Rest liegt nun in den Händen der Zuschauer. Es vergeht einige Zeit, dann werden sie zu den Akteuren und Bodypaintern.

Vor jeder Show  habe ich etwas Angst ob die Leute verstehen, dass sie mich bemalen dürfen und sollen. Aber ich kann  sagen, dass ich noch nie in Weiß geendet habe.

Es gibt immer DEN einen mutigen Menschen, der anfängt. Irgendwann machen die Anderen dann  mit. Das ist ein riesen Spaß.

In verschiedenen Ländern gibt es kaum Unterschiede. Außer in der Art des Malens. Während ich z.B. in Irland regelrecht angestrichen werde, sind in Asien die Linien feiner und es entstehen mehr Details.

Blanko Akt - Living Doll Johnman im Interview

Blanko-Act-Living-Doll-Johnman-collage
Bildquelle: www.Johnman.de

Welche Länder bereist du am liebsten?

Kanada! Da sind die Festivals immer sehr gut organisiert. Das Land ist riesig groß, aber die Festivals finden zeitlich direkt nacheinander statt. In nahliegenden Orten.  Da muss ich nicht viel durch das Land reisen.

Und natürlich liebe ich China. Die Reaktion auf meine Figuren ist genial. Die Asiaten stehen tierisch darauf.

In Holland bin ich auch immer wieder gerne. Hier treffe ich bei den Meisterschaften immer viele meiner Kollegen. Wenn ich dann in der Garderobe bin, was auch mal mitten in einer Kirche sein kann, dann geht mir das Herz auf.

Wenn ich da mitten unter meinen Künstler Kollegen bin, wo alle Statuen sich umkleiden – da bin ich richtig! Da bin ich zu Hause. Hier sind alle „Idioten“ wie ich. Ich fühle mich da extrem wohl.

Hast Du auch schon negative Erfahrungen mit deiner Kunst gemacht?

Das habe ich bisher nicht. Weil ich nicht auf den Straßen arbeite. Ich arbeite auf organisierten Festivals.

Z.B. beim Toronto Street Performer Festival. Dem größten Streetart Festival in Nordamerika. Es geht über 3-4 Tage. Allein an einem Tag kommen ungefähr 2 Mio Besucher von überall her um die Streetpeformer zu sehen.

Da wirst du schon erwartet und fühlst dich willkommen.

Welchen Tipp würdest Du einem Living Doll Anfänger mit auf den Weg geben?

Dran bleiben! Den eigenen  Weg finden, Autodidakt sein.  Das Feedback Deiner Zuschauer ist von größter Bedeutung. Das solltest Du immer analysieren. Nicht die Figuren für Dich selbst machen. Selbstbewusst sein, dazu zustehen: das ist meine Figur und Punkt!

Muss man bestimmte Voraussetzungen mitbringen?

Geduld! Kreativität! Du darfst auch keine Angst davor haben, wenn die Leute Dich stundenlang ansehen…

Gibt es Pläne, oder große Projekte für 2017, von denen Du uns noch erzählen möchtest?

In dieser Frage ich gar keine Entwicklung, ich brauche keinen Plan.

Ich freue mich auf die großen Festivals 2017 in der ganzen Welt.

In Holland habe ich jetzt einen offiziellen Posten bekommen. Da bin ich jetzt der Artistic Director bei der Weltmeisterschaft für 2017 Ende September/Anfang Oktober. Ich darf die Teilnehmer für die WM aussuchen. Das ist eine große Ehre für mich.

living doll johnman als sketchman

John, vielen Dank, dass du bei uns warst. Ich hoffe, dich wieder öfter mal zu treffen und bin gespannt auf neue Geschichten des JOHNman aus der ganzen Welt der Livig Dolls, Statuen und des Bodypaintings.
Wir wünschen Weiterhin viele tolle Ideen und Inspirationen. Weiterhin so ein zauberhaftes Publikum.

Kontakt und Bildquelle:
John Eicke, der JOHNman

http://www.johnman.de/

Living Doll JOHNman im Video als Blank Act

Du hast eine Idee? Kennst einen tollen Interviewpartner, den wir an dieser Stelle mal vorstellen sollten? Die Redaktion von Bodypainting.net freut sich auf Kritik, Anregungen, neue Kontakte.

About Senjo Color Peter

Redakteur Bodypainting.net seit 1999 - Bodypainting und MakeUp Spezialeffekte - Entwicklung und Vertrieb von Körperfarben, Schulung für Künstler, Theater, Show- und TV-Produktionen.